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Kinder des Internets

Hallo meine lieben Leser!
Sehr lange habe ich überlegt, ob ich diesen Artikel schreiben soll, letztendlich habe ich mich aber entschieden es zu tun. Kinder des 21. Jahrhunderts sind Kinder des Internets. Noch vor der Geburt werden Ultraschallbilder hochgeladen und in sozialen Netzwerken stolz die ersten Fotos vom neugeborenen Nachwuchs präsentiert. Ist das wirklich im Sinne der Kinder? Ist es nicht gefährlich, dass man mit Bildern so leichtsinnig umgeht, wo wir Erwachsene doch die Gefahren im Netz kennen? Freunde und Bekannte und auch Blogger haben und bekommen derzeit Babys. Der neue Datenschutz ist da und Eltern teilen noch immer ihre süßen Zwerge fleißig im Netz und das alles gewissenlos.

Quelle: Pixabay

Aber warum regt mich das so auf?

Ich bin Mutter eines fast 17-jährigen Sohnes. Ich selbst bin in einer ganz anderen Zeit aufgewachsen, wo es noch kein Internet gegeben hat. Bei uns waren noch die guten Albums Kult, wo man sich sonntags mit der Familie hingesetzt hat und sich gemeinsam die Bilder ansah und ja es war ein echtes Highlight und zu jedem Bild gab es eine tolle Geschichte, denn viele Bilder machte man nicht, denn Fotos in meiner Kinderzeit sind noch sehr teuer gewesen.

Im Jahr 2001 machte man auch Bilder – doch da legte langsam der Umschwung los und man zog es schon digital auf dem Rechner, so fertigte mein damaliger Schwager einige Collagen von meinem Sohn an. Schöne Erinnerungen, die ich mir immer wieder gerne ansehe, denn diese wurden ausgedruckt oder man entwickelte sie noch in Fotostudios.

Heute schießt mein Sohn schon selbst seine Bilder und es gibt kaum noch Menschen die Fotos zur Entwicklung geben. Alles ist nur noch digital und man brennt es auf DVD oder CDs.

Oder eben…. Jetzt kommt meine eigentliche Geschichte…. teilt es in den sozialen Netzwerken! Viele Eltern posten unbedacht Fotos von ihrem Nachwuchs und merken die Gefahren des Internets leider nicht mehr. Was Eltern lustig finden, ist für Kinder oft einfach nur peinlich – und bringt sogar Gefahren mit sich. Unter dem Claim „Liebe Mama, lieber Papa, denkt nach, bevor ihr postet“ gibt es unzählige Kampagnen die Eltern Aufrufen, lasst das posten eurer Kinder bis 14 Jahre sein, denn da kann unser Nachwuchs selbst entscheiden wo das Kind zu sehen ist.

Aber warum ignorieren es die Eltern? Ein Kind mit 5-10 Jahren weiß die Gefahren im Netz nicht, auch dann nicht, wenn ich als Mutter frage, möchtest oder darf ich dich auf Facebook oder Instagram posten.

Neugeborene Babys mit Decken, Kuscheltieren – ein feixender Nackedei am Strand, ein Teenie mit schönster Muffelmiene – viele Eltern haben keine sonderlichen Hemmungen, wenn es um das Posten von Kinderbildern in den sozialen Netzwerken geht. Warum tun die das?

Die tun das, weil sie sich über ihre Kinder freuen und stolz auf sie sind. Aber sie tun es sehr unreflektiert. Kinder dazu zählen auch schon die kleinen Babys und auch sie haben Persönlichkeitsrechte. Die gilt es zu wahren. Dazu gehört, die Kinder egal welches Alter es ist – einzubeziehen.

Welche Folgen können solche unbedacht ins Netz auf Facebook und Instagram oder auch auf der eigenen Webseite gestellten Bilder für Kinder haben?

Es besteht die Gefahr, dass damit auf vielfältige Weise Missbrauch betrieben wird. Jede Information, die ins Netz gestellt wird, ist eine Einladung an andere, damit etwas anzufangen: darüber zu reden, zu diskutieren, zu lästern. Die Konsequenzen des Postens in den sozialen Medien haben dann meistens die Kinder zu tragen. Aber die werden in aller Regel gar nicht gefragt. Etwa zwei Drittel der Eltern sagen, dass sie ihre Kinder entweder gar nicht beteiligen oder erst im Nachhinein informieren, wenn sie etwas ins Netz gestellt haben. Das ist ein Verstoß gegen die UN-Kinderrechte und der DSGVO.

Gegen den hemmungslosen Darstellungsdrang der Eltern sind Kinder ziemlich machtlos. Gerichte in Deutschland haben entschieden, dass sie erst ab 14 Jahren von ihren Eltern verlangen können, ein hochgeladenes Bild wieder zu löschen.

Wie also verhalte ich mich als verantwortungsvolle Mutter?

In jedem Fall sollte ich reflektieren, dass Bilder missbräuchlich genutzt werden können. Nicht nur von Pädophilen. Es können schon Bilder sein, die Eltern einfach amüsant finden – andere Nutzer aber treiben dann Unfug damit. Es müssen sich einfach alle Beteiligten gut fühlen mit der Veröffentlichung. Kinder und Jugendliche müssen lernen, sich in den digitalen Welten zu bewegen – und was man dabei tut oder lieber lässt. Eigenverantwortung beinhaltet auch, eine Risikoabschätzung vornehmen zu können.

 

Übrigens können Kinder ab 14 Jahren ihren Eltern nach dem neuen EU Datenschutz bis zu 45.000 Euro Schadenersatz verklagen, wenn die ohne ihr Einverständnis Bilder posten.

Nun aber zu meiner Geschichte, die ich erzählen möchte…
Mala wurde am 1. Juli geboren und ihre Mutter postet zwei – bis dreimal die Woche Fotos von ihr auf Instagram oder Facebook. Ich sehe Mala auf der Brust ihrer Mutter, Mala im Einhorn-Body, Mala neben dem Familienhund, Mala mit Kopfschmuck und Mala neben vielen Produktbildern.

Mala ist die Tochter einer Freundin von mir und ich finde sie unglaublich süß. Ihre weichen schwarzen Härchen, das zerknautschte Gesicht, die kleinen knubbeligen Finger. Ich freue mich, wenn ihre Mutter Fotos online stellt, so kann ich das Leben der kleinen Mala verfolgen, obwohl sie mehr als 800 Kilometer von mir entfernt aufwächst. Ich bin immer kurz davor, die Fotos mit “Gefällt mir” zu markieren, aber ich mache es nie.

Warum? Weil es mich aufregt, dass meine Freundin Fotos von ihr postet. Mala kann nicht selbst entscheiden, ob sie das möchte. Sie kann nicht selbst entscheiden, ob ich sie nackt nur in Windeln und einer Decke gehüllt oder im Einhorn-Body sehen darf. Oder andere Freunde ihrer Eltern. Die Eltern müssen für sie entscheiden und sie sollten sich stets fragen: Würde Mala wollen, dass wir Fotos von ihr so auf Facebook oder Instagram zeigen? Es ärgert mich, dass Eltern ihre Kinder auf den sozialen Netzwerken zur Schau stellen, um Likes zu bekommen und Kommentare wie: “So niedlich”, “kleine Prinzessin”, “ich liebe ihr Outfit”, “der Body ist fast so süß wie ihr Gesicht”. Es ist traurig, dass die Aufmerksamkeit in den sozialen Netzen vielen Menschen so wichtig ist.

Das man in der Schwangerschaft als Blogger / Influencer so viele Kooperationen annimmt, eine Wickelauflage testet und man darüber berichtet, wenn man nicht mal weiß, wie nimmt das eigene Baby eigentlich die Wickelauflage an.

Mich macht es einfach wütend das man seine ganze Schwangerschaft ausschlachtet und Monate vorher immer wieder betont so etwas ist privat. Bla Bla ich zeige kein Ulrtraschallbild aber wiederspricht sich im gleichen Atemzug!

Viele Eltern scheinen süchtig nach Likes zu sein und um diese Sucht weiter anzufeuern, benutzen sie ihre Kinder.

Meine Freundin hat rund 50 Fotos von Mala in der Decke machen müssen, bis einige zum Posten dabei gewesen sind, wie sie im Kommentar zu der Aufnahme schreibt. Die Zeit, die sie damit verbringt, 50 Fotos davon zu machen, hätte sie auch nutzen können, um mit ihr Greifen zu üben oder sie spazieren zu fahren.

Upppsss: Steffi wie kannst du das nur denken und auch noch veröffentlichen!

Der Account meiner Freundin ist privat. Das ist gut. So kann zumindest nicht jeder Idiot die Fotos sehen. Der Account einer anderen Bekannten von mir, ist öffentlich. Sie hat mehr als 1000 Abonnenten und postet ebenfalls regelmäßig Fotos ihres Sohnes, nennen wir ihn Lukas. Wir sehen Lukas beim Baden, im Urlaub, auf dem Spielplatz.

Was ist, wenn einer ihrer Abonnenten Luaks so süß findet, dass er mehr über die Familie erfahren will und beginnt, den Account der Mutter genau zu studieren. Und herausfindet, wo sie spazieren geht, wo sie wohnt, wer ihre Freunde sind. Was ist, wenn er damit beginnt, sich an den gleichen Orten aufzuhalten, über den Gartenzaun zu schauen. Lukas Kinderwagen wegzuschieben. Ihr findet, ich übertreibe? Kann schon sein, aber es könnte alles passieren und Eltern sollten alles tun, um ihre Kinder vor möglichen Gefahren zu schützen.

Weder meine Freundin noch meine Bekannte posten peinliche Bilder von ihren Kindern. Das ist auch gut so. Aber, es gibt Eltern, die ihre Babys beim Sabbern, Spucken, Kacken und Kotzen zeigen. Sie stellen Fotos online, auf denen ihre Babys nackt sind, ihre Kinder auf der Toilette sitzen. Natürlich kann man die Bilder wieder löschen. Aber vielleicht findet jemand diese Fotos lustig, macht einen Screenshot davon und lädt das auf einer anderen Seite hoch. Dann sind die Bilder im Netz und bleiben auch da. Und wer weiß, was ein Foto in Zukunft alles verraten kann. Gesichtserkennungssoftware funktioniert schon jetzt, Personen können anhand ihres Bildes blitzschnell identifiziert werden. Stellen wir uns vor, in 20 Jahren könnte Lukas Arbeitgeber auf das Foto in der Badewanne stoßen. Oder was ist, wenn ein aufdringlicher Verehrer einem Mädchen nachspürt und von ihr ein Foto im Netz entdeckt, auf dem es als kleines Kind auf der Toilette zu sehen ist?

Als ich auf Instagram übrigens gerade nach dem Stichwort Windel suchte, bin ich auf einen Mann gestoßen, der seiner behaarten Beine zufolge ziemlich erwachsen war. Der Typ hat sich selbst eine Windel angezogen, sie vollgemacht, sich damit fotografiert und die Fotos gepostet. Solche Freaks sind auf Instagram unterwegs. Sie können die Fotos des kleinen Lukas oder des Mädchens auf der Toilette ebenso sehen wie Pädophile oder Kinderhasser. Und der Pädophile wiederum könnte sich das Foto des Mädchens ausdrucken und sich darauf einen runterholen.

Also bitte liebe Mamis und Papis hört auf eure Zwerge zu posten, zumindest zeigt nicht alles von euren Lieblingen!

PS: von meinem Sohn und von mir gibt es kaum Bilder im Netz und wer denkt er kennt mich/uns, der irrt! Denn es kennen uns nur die Menschen, die es auch dürfen!

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